Manchmal braucht es einen Moment, der uns zunächst den Boden unter den Füßen wegzieht, damit wir einen neuen Weg erkennen. Genau so hat sich mein Juli 2026 angefühlt. Er begann mit Existenzängsten und endete mit einer weiteren beruflichen Vision und einer persönlichen Erkenntnis, die meinen Blick auf Heilung nachhaltig verändert hat.
Neue Jobcenter-Regelungen – und plötzlich war alles anders
Der Juli 2026 begann für mich mit einer Info-Veranstaltung vom Jobcenter, deren Inhalt mir zunächst den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Seit dem 01.07.2026 gelten neue Regelungen für Selbstständige, die ergänzend Leistungen vom Jobcenter beziehen, da ihre Selbstständigkeit nicht zu 100% ihren eigenen Lebensunterhalt finanziert. Die Aussage: "Wenn Sie selbstständig sind, sind Sie auch körperlich und psychisch in der Lage einen Vollzeitjob einer Hilfstätigkeit zum Mindestlohn anzunehmen, mit der Sie aus dem Leistungsbezug des Jobcenters fallen." Als ich dies gehört habe, waren meine ersten Gedanken sofort von Angst und Unsicherheit geprägt. Es fühlte sich an, als würde sich plötzlich alles verändern, ohne dass ich darauf Einfluss nehmen kann.
Ich hatte in diesem Moment das Gefühl und den inneren Druck, möglichst schnell irgendeinen Hilfsarbeiterjob annehmen zu müssen, um aus dem Leistungsbezug herauszukommen. Gleichzeitig hatte ich große Sorge, dass sich dadurch meine psychische Verfassung wieder enorm verschlechtern wird, da ich diese Erfahrung in diversen früheren Hilfsarbeiter-Jobs bereits erlebt habe, und mir so auch kaum noch Zeit bleiben würde, meine Selbstständigkeit weiter aufzubauen. Diese innere Spannung zwischen „Sicherheit schaffen“ und „meinen Weg weitergehen“ hat mich in den ersten Tagen stark beschäftigt.
Also habe ich diese Nachricht erst einmal wirken lassen. Nicht verdrängt, nicht schöngeredet, sondern einfach zugelassen. Genau das war rückblickend ein entscheidender Moment, denn erst dadurch konnte sich der erste emotionale Druck langsam lösen.
Nachdem sich der erste Schock gelegt hatte, habe ich begonnen, mich aktiv mit möglichen Lösungen auseinanderzusetzen. Ich habe mich gefragt, wie ich meine Erfahrungen und meine Expertise so einsetzen kann, dass daraus - neben meiner Peer-Beratung & der "Anker im Alltag-Community" weitere Möglichkeiten entstehen. Diese Frage hat letztlich den Blick auf die Situation komplett verändert.
Aus einer Krise entstand etwas Neues
Eine der schönsten Erkenntnisse dieses Monats ist für mich, dass aus einer schwierigen Situation etwas entstehen kann, womit man vorher überhaupt nicht gerechnet hat. Aus meinen Überlegungen heraus ist ein neues berufliches Angebot entstanden, das sich sehr stimmig und sinnvoll anfühlt.
Ich habe begonnen, Keynotes, Workshops und Seminare rund um das Thema psychische Gesundheit am Arbeitsplatz zu entwickeln. In den vergangenen Wochen habe ich intensiv an den Konzepten gearbeitet und mir viele Gedanken darüber gemacht, welchen konkreten Mehrwert ich Unternehmen und Organisationen damit bieten kann.
Besonders am Herzen liegt mir dabei mein Workshop „Was Betroffene Arbeitgebern gerne sagen würden, sich jedoch oft nicht trauen.“ Ich bin überzeugt, dass gegenseitiges Verständnis die Grundlage für einen gesunden Umgang mit psychischen Belastungen im Arbeitskontext ist. Genau dort möchte ich ansetzen und Brücken bauen.
Hinter den Kulissen
Auch wenn nach außen oft nur das fertige Ergebnis sichtbar wird, steckt hinter neuen Projekten unglaublich viel Arbeit. Der Juli 2026 war deshalb vor allem ein Monat des Entwickelns, Strukturierens und Ausprobierens.
Ich habe die Konzepte meiner Workshops ausgearbeitet, erste Gespräche mit potenziellen Teilnehmern geführt und eine Umfrage für meinen Kern-Workshop vorbereitet. Gleichzeitig habe ich die Workshop-Webseite aufgebaut, erste Materialien erstellt und begonnen, ein Netzwerk aus Unternehmen und Ansprechpartnern aufzubauen.
All diese Schritte haben sich nicht immer sofort greifbar angefühlt, aber im Rückblick ergibt sich daraus ein klares Bild. Es ist ein Prozess entstanden, der nicht aus Druck oder äußeren Erwartungen heraus entstanden ist, sondern aus einer echten inneren Überzeugung.
Meine wichtigste persönliche Erkenntnis im Juli 2026
Neben der beruflichen Entwicklung gab es in diesem Monat eine Erkenntnis, die mich emotional mindestens genauso bewegt hat. Seit meiner Entlassung aus der Akutpsychiatrie im Juli 2025 habe ich immer wieder versucht, einem bestimmten Menschen zu beweisen, dass ich mich verändert habe.
Ich wollte zeigen, dass ich Verantwortung übernommen habe, dass ich heute anders mit schwierigen Situationen umgehe und dass mein Heilungsprozess echte Veränderungen in mir bewirkt hat. Im Juli wurde mir jedoch schmerzhaft bewusst, warum dieses Bedürfnis so stark in mir war.
Nicht, weil dieser Mensch einen Beweis gebraucht hätte, sondern weil ich selbst meiner eigenen Entwicklung noch nicht vollständig vertraut habe. Obwohl ich in den letzten zwei Jahren immer wieder erlebt habe, dass ich stabiler, reflektierter und bewusster handle, habe ich mein eigenes Urteil oft hinter das Urteil eines anderen gestellt.
Diese Erkenntnis war zunächst schmerzhaft, gleichzeitig aber auch unglaublich befreiend. Denn sie hat mir gezeigt, dass Heilung für mich heute nicht mehr bedeutet, andere überzeugen zu müssen. Heilung bedeutet, selbst anzuerkennen, wie weit ich bereits gekommen bin.
Heilung ist kein gerader Weg
Wenn ich aus diesem Monat eine zentrale Botschaft mitnehmen dürfte, dann diese: Heilung verläuft nicht geradlinig. Es wird immer wieder Momente geben, in denen alte Muster auftauchen, in denen Unsicherheit spürbar wird und in denen wir glauben, noch nicht weit genug zu sein.
Früher hätte ich solche Momente wahrscheinlich als Rückschritt bewertet. Heute sehe ich sie anders. Jede neue Erkenntnis zeigt mir nicht, dass ich gescheitert bin, sondern dass ich bereit bin, eine weitere Ebene meines eigenen Heilungsprozesses zu verstehen.
Und genau darin liegt für mich persönliches Wachstum: nicht im perfekten Vorankommen, sondern im bewussten Erkennen und Annehmen dessen, was gerade ist.
Darauf bin ich im Juli 2026 besonders stolz
Ein weiterer besonderer Moment in diesem Monat war die Veröffentlichung eines ausführlichen Portraits über meine Arbeit als Peer-Mentorin im Goodnews for You Magazin. Darin geht es nicht nur um meinen persönlichen Weg, sondern auch um meine Motivation, Menschen mit psychischen Belastungen auf ihrem eigenen Weg zu begleiten.
Außerdem durfte ich dort bereits einen ersten Einblick in meine geplante „Anker im Alltag“-Community geben. Für mich sind solche Veröffentlichungen weit mehr als schöne Meilensteine. Sie zeigen mir, dass das Thema psychische Gesundheit zunehmend Raum bekommt und dass persönliche Erfahrungen anderen Menschen Mut machen können.
Was im Juli 2026 sonst noch los war
- Ich habe mit eigenen Blogartikeln an zwei Blogparaden teilgenommen. Einmal an der Blogparade von Birgit zum Thema "Warum und wann ich mit dem Bloggen angefangen habe". Der zweite Artikel zur Blogparade "100 Dinge, auf die ich stolz bin" von Lorena Hoormann.
- Durch mein entwickeltes Workshop- & Seminar-Angebot für Unternehmer bin ich nach zwei Jahren Pause wieder aktiver auf LinkedIn unterwegs, was für mich sehr ungewohnt ist.
Diese Artikel habe ich im Juli 2026 veröffentlicht
- Mein Weg zum Bloggen: Wie aus einer Krise meine Berufung wurde.
- Kann positives Denken bei Depressionen helfen?
- Einschlafen trotz Grübeln: 9 Strategien, um abends zur Ruhe zu kommen
- 50 Journaling-Fragen für schwere Tage
- 100 Dinge, auf die ich stolz bin
- Warten auf Therapie: Was du jetzt tun kannst, ohne alles allein tragen zu müssen
- Depressionen oder Burnout: Die wichtigsten Unterschiede einfach erklärt
Ausblick auf den August 2026
Ich freue mich sehr auf das, was der August mit sich bringen wird. In den nächsten Tagen werde ich mein erstes Podcast-Interview als Peer-Mentorin zum Thema Suizidprävention aufnehmen. Dieses Thema liegt mir sehr am Herzen, und ich bin dankbar, darüber im Podcast "Lebensklatschen" von Verena Keppler sprechen zu dürfen.
Außerdem beginne ich mit den ersten Gesprächen mit Expertinnen und Experten, die ich gern für meine geplante „Anker im Alltag“-Community gewinnen möchte. Die Idee, dort unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen zusammenzubringen, erfüllt mich schon jetzt mit großer Vorfreude.
Ich bin sehr gespannt, welche Türen sich in den kommenden Wochen noch öffnen werden.
Fazit
Wenn ich auf den Juli 2026 zurückblicke, sehe ich keinen perfekten Monat. Ich sehe einen Monat voller Fragen, Veränderungen und Zweifel, aber auch voller neuer Möglichkeiten. Der Juli 2026 hat mir gezeigt, dass Angst und Hoffnung oft sehr nah beieinanderliegen.
Vor allem aber hat er mich daran erinnert, dass Heilung kein Zustand ist, den man irgendwann erreicht und dann abschließt. Heilung ist ein Weg – mit Kurven, Umwegen und neuen Erkenntnissen. Und manchmal sind es genau diese Erfahrungen, die uns zeigen, dass wir bereits viel weiter gekommen sind, als wir selbst lange geglaubt haben.
Ich bin gespannt, wohin mich dieser Weg als Nächstes führen wird. Und vielleicht gehst du ein Stück davon gemeinsam mit mir.
Wie war dein Juli 2026?
Gab es eine Erkenntnis oder einen Moment, der dich besonders geprägt hat? Ich freue mich, wenn du deine Gedanken in den Kommentaren mit mir teilst.












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