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Mein Weg zum Bloggen – wie aus einer Krise meine Berufung wurde

Veröffentlicht am 2. Juli 2026

Aktualisiert am 2. Juli 2026

Erfahrungsbericht mit Depression | Peer-Mentorin Claudia Mecklenburg

Als ich die Blogparade „Warum und wann ich mit dem Bloggen angefangen habe“ von Birgit Lorz von Frauen im Business entdeckt habe, musste ich nicht lange überlegen, ob ich mitmachen möchte. Denn selten bietet sich die Gelegenheit, einmal bewusst zurückzublicken und sich zu fragen, wie eigentlich alles angefangen hat – und welche Wendungen dieser Weg genommen hat.

Wenn mich heute jemand fragt, wann ich mit dem Bloggen angefangen habe, lautet meine Antwort: im Jahr 2020. Doch eigentlich beginnt diese Geschichte schon zwei Jahre früher – mit meiner Selbstständigkeit als Freelancerin für Webdesign und technischen Support. Damals hätte ich nie gedacht, dass das Bloggen einmal so eng mit meinem persönlichen Lebensweg und meiner heutigen Berufung verbunden sein würde.

Wenn ich heute auf diese Zeit zurückblicke, sehe ich nicht nur verschiedene Blogs oder Websites. Ich sehe unterschiedliche Lebensabschnitte, die alle ihre Spuren hinterlassen haben. Jeder einzelne hat mich ein Stück näher zu dem Menschen gebracht, der ich heute bin.

Mein erster Blog entstand aus meiner Selbstständigkeit

Im Jahr 2018 wagte ich den Schritt in die Selbstständigkeit. Als Freelancerin unterstützte ich meine Kundinnen und Kunden im Bereich Webdesign und technischer Support. Zwei Jahre später, 2020, entschied ich mich, zusätzlich einen Blog aufzubauen, um mein Wissen zu teilen und meine Expertise sichtbar zu machen.

Damals hatte der Blog vor allem einen geschäftlichen Hintergrund. Ich wollte hilfreiche Inhalte veröffentlichen, Fragen beantworten und Menschen zeigen, wie ich arbeite. Natürlich hoffte ich auch, dadurch neue Kundinnen und Kunden zu gewinnen. Persönliche Themen spielten zu dieser Zeit kaum eine Rolle, denn mein Fokus lag ganz auf meiner Tätigkeit als Webdesignerin.

Als mein Leben plötzlich eine andere Richtung nahm

Im Herbst 2024 änderte sich mein Leben grundlegend. Ich geriet in eine psychische Krise, die mich dazu zwang, mein bisheriges Leben und meine berufliche Zukunft zu hinterfragen. Zum ersten Mal musste ich akzeptieren, dass Gesundheit Vorrang vor Arbeit haben musste.

Deshalb entschied ich mich, meine Selbstständigkeit als Freelancerin zunächst auf Eis zu legen. Diese Entscheidung fiel mir alles andere als leicht. Schließlich hatte ich viele Jahre in den Aufbau meines Unternehmens investiert. Gleichzeitig wusste ich, dass ich nur dann wieder langfristig für andere da sein konnte, wenn ich zunächst gut für mich selbst sorgte.

"Raus aus dem Drama" – Schreiben wurde Teil meiner Heilungsreise

Während dieser Zeit entstand mein Blog „Raus aus dem Drama“. Anders als mein erster Blog hatte er kein geschäftliches Ziel. Ich begann zu schreiben, weil ich das Bedürfnis hatte, meine Gedanken zu sortieren und meine Erfahrungen festzuhalten. Das Schreiben wurde zu einem wichtigen Bestandteil meiner Selbstreflexion.

Ich berichtete offen über meine Depression, über Rückschläge, über kleine Erfolge und über alles, was mir half, Schritt für Schritt wieder mehr Stabilität zu gewinnen. Themen wie Journaling, Achtsamkeit, Selbstfürsorge und persönliche Entwicklung bekamen einen festen Platz. Ich schrieb nicht aus der Perspektive einer Expertin, sondern als Mensch, der selbst mitten durch eine schwierige Zeit ging.

Rückblickend glaube ich, dass genau diese Ehrlichkeit den Unterschied gemacht hat. Ich musste niemandem etwas beweisen. Ich wollte lediglich meine Erfahrungen teilen – in der Hoffnung, dass sich vielleicht jemand darin wiederfindet und sich dadurch ein wenig weniger allein fühlt.

Die Resonanz hat mich tief bewegt

Mit einer so positiven Resonanz hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Nach und nach erreichten mich Nachrichten von Menschen, die sich in meinen Texten wiedererkannten. Einige schrieben mir, dass sie sich durch meine Offenheit zum ersten Mal verstanden fühlten. Andere erzählten, dass ihnen einzelne Artikel in besonders schwierigen Momenten Mut gemacht hätten.

Diese Rückmeldungen haben mich tief berührt. Sie zeigten mir, dass aus meiner eigenen Krise etwas entstehen konnte, das auch anderen Menschen Hoffnung schenkt. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass meine Erfahrungen einen echten Mehrwert haben – nicht trotz meiner Geschichte, sondern gerade wegen ihr.

Der Moment, in dem ich meinen beruflichen Weg neu ausrichtete

Im Laufe des Jahres 2025 wurde mir immer klarer, dass ich beruflich nicht dorthin zurückkehren wollte, wo ich vor meiner Krise gestanden hatte. Ich arbeitete zwar gerne als Webdesignerin, doch mein Herz schlug inzwischen für etwas anderes. Die Gespräche mit Betroffenen und das Schreiben über mentale Gesundheit erfüllten mich auf eine Weise, die ich vorher nicht kannte.

Im August 2025 traf ich deshalb eine Entscheidung, die mein Leben nachhaltig verändern sollte. Ich beendete meine Selbstständigkeit als Freelancerin und entschied mich bewusst für eine berufliche Neuausrichtung. Seit Oktober 2025 begleite ich Menschen als Peer-Mentorin für psychische, seelische und mentale Gesundheit durch ihre persönlichen Krisen.

Diese Tätigkeit fühlt sich bis heute wie eine konsequente Fortsetzung meines eigenen Weges an. Ich begleite Menschen nicht mit theoretischem Wissen allein, sondern vor allem mit Verständnis, Erfahrung und dem Wissen, wie wichtig Hoffnung in schweren Zeiten sein kann.

Ein Fehler, der mich vieles gelehrt hat

Im Mai 2026 plante ich, meine Hauptwebsite und den Blog „Raus aus dem Drama“ zusammenzuführen. Ich wollte alle Inhalte an einem Ort bündeln und meinen Internetauftritt neu strukturieren. Eigentlich sollte dieser Schritt ein Neuanfang werden.

Doch bei der Umstellung passierte mir ein folgenschwerer Fehler. Beim Hoster löschte ich aus Unachtsamkeit die falsche Datenbank – und damit sämtliche Blogartikel von „Raus aus dem Drama“. Eine Wiederherstellung war leider nicht mehr möglich. In wenigen Minuten verschwanden unzählige Stunden voller Erinnerungen, Gedanken und persönlicher Erfahrungen.

Im ersten Moment war ich einfach nur fassungslos. Ich habe mich geärgert, war traurig und konnte kaum glauben, dass all diese Texte plötzlich nicht mehr existierten. Doch mit etwas Abstand wurde mir bewusst, dass zwar die Artikel verloren waren, nicht aber die Erfahrungen, aus denen sie entstanden sind. Alles, was ich auf meinem Weg gelernt habe, trage ich weiterhin in mir.

Würde ich heute noch einmal einen Blog starten?

Diese Frage kann ich ohne zu zögern mit Ja beantworten. Auch wenn ich heute weiß, wie viel Zeit, Geduld und Herzblut in einem Blog stecken und dass es manchmal schmerzhafte Rückschläge gibt, würde ich diesen Weg jederzeit wieder gehen.

Das Bloggen hat mir geholfen, meine Gedanken zu ordnen und meinen eigenen Weg besser zu verstehen. Gleichzeitig hat es Menschen erreicht, die sich in meinen Erfahrungen wiedergefunden haben. Genau das macht einen Blog für mich so wertvoll: Er schafft Verbindung – oft über Entfernungen hinweg und zwischen Menschen, die sich nie persönlich begegnet sind.

Mein Rat für alle, die mit dem Bloggen beginnen möchten

Wenn ich heute jemandem einen Rat geben dürfte, wäre es, nicht auf den perfekten Zeitpunkt zu warten. Es wird immer etwas geben, das noch nicht fertig ist oder verbessert werden könnte. Perfektion ist jedoch selten der Grund, warum Menschen einen Blog gerne lesen.

Viel wichtiger ist Ehrlichkeit. Die Beiträge, die bei mir die größte Resonanz ausgelöst haben, waren nicht die technisch ausgefeiltesten oder am längsten geplanten Texte. Es waren die Artikel, in denen ich den Mut hatte, authentisch zu sein und auch meine verletzlichen Seiten zu zeigen.

Was mir heute am meisten Freude macht

Heute bedeutet Bloggen für mich weit mehr als das Schreiben von Artikeln. Es ist eine Möglichkeit, Menschen zu begleiten, Gedanken anzustoßen und Hoffnung zu vermitteln. Jeder Beitrag ist eine Einladung, sich selbst mit etwas mehr Mitgefühl zu begegnen.

Besonders schön ist für mich das Wissen, dass meine Worte manchmal genau im richtigen Moment gelesen werden. Vielleicht kann ich nicht jede Krise verhindern oder lösen. Aber wenn ein Artikel dazu beiträgt, dass sich ein Mensch weniger allein fühlt oder neuen Mut schöpft, dann hat sich jede Minute des Schreibens gelohnt.

Mein Fazit

Wenn ich heute auf meinen Weg zurückblicke, erkenne ich, wie eng mein Blog mit meiner persönlichen Entwicklung verbunden ist. Was als Ergänzung zu meiner Selbstständigkeit begann, wurde während meiner eigenen Krise zu einem Ort der Reflexion und schließlich zum Ausgangspunkt meiner beruflichen Neuorientierung.

Auch der Verlust meines Blogs hat daran nichts geändert. Im Gegenteil: Er hat mir gezeigt, dass Texte zwar verschwinden können, die Erfahrungen und Begegnungen dahinter aber bleiben. Deshalb schreibe ich heute weiter – vielleicht bewusster als früher und mit einer noch klareren Vorstellung davon, warum ich meine Geschichte teile.

Denn manchmal entstehen die wertvollsten Geschichten genau dort, wo das Leben einen ganz anderen Plan hatte, als wir selbst.

Claudia Mecklenburg

Claudia Mecklenburg

Peer-Mentorin für psychische, seelische & mentale Gesundheit

Ich schreibe nicht über Depression, weil ich sie studiert habe — sondern weil ich sie kenne. Von innen. Über zwei Jahrzehnte, durch Kliniken, Krisen und den langen Weg zurück zu mir selbst. Was du hier findest, sind keine Ratgeber-Texte. Es sind ehrliche Einblicke, Werkzeuge aus der Praxis und Geschichten, die vielleicht auch deine sind.

Aus der Krise. In die Kraft.

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