Oktober 2024. Batumi, Georgien. Ich liege in einer Notaufnahme — und dieser Moment wird der Wendepunkt in einem langen Erfahrungsbericht mit Depression, der bereits mit 19 Jahren begann.
Diesmal ist es anders als die Male davor. Nicht anders im Sinne von: weniger schlimm. Sondern anders im Sinne von: Ich bin müde. Wirklich müde. Nicht von dem, was gerade passiert ist — sondern von der Art, wie ich all die Jahre davor gelebt habe. Funktionierend. Maskiert. Mit dem ständigen Gefühl, dass irgendjemand irgendwann merkt, wie es mir wirklich geht — und wegläuft.
Zwei Tage später schwöre ich mir etwas. Nicht laut. Nicht dramatisch. Einfach so:
Wenn ich das heile überstehe und irgendwie einen Weg zurück nach Deutschland finde, dann übernehme ich radikal Verantwortung. Für mein Leben. Für meine Vergangenheit. Und für meine Heilung.
Ich habe es überstanden. Und ich halte mein Versprechen.
Dieser Text ist der Beginn davon.
Mein Erfahrungsbericht mit Depression: Von der Diagnose bis heute
Ich bin mit 19 Jahren das erste Mal in einer psychiatrischen Klinik aufgewacht. Schwere Depression — die Diagnose klang damals wie ein Urteil. Wie eine Schublade, in die ich von nun an gehörte.
Was folgte, waren Jahre, die ich heute kaum noch linear beschreiben kann: Klinikaufenthalte, vier Ausbildungen, die ich begann und nicht beenden konnte. Das Gefühl, dass alle anderen irgendwie wissen, wie das Leben geht, nur ich nicht. Das Wort Berufsunfähigkeit wurde sehr lange zu einem Teil meiner Identität, den ich trug, ohne zu wissen, ob ich ihn je wieder ablegen könnte.
Doch da war immer auch dieses andere: Ein kleines Aufflackern von Sinn, wenn ich etwas tat, das sich echt anfühlte. 2015 begann ich, einen Musiker mit einem kleinen Fan-Blog zu begleiten — ohne Plan, ohne Strategie. Aus dem Blog wurde eine Bandmanagerin bei einem anderen Musikprojekt, welches ich unterstützte, aus dieser eine eigene Agentur. Ich gründete, ich führte, ich schloss dieses Kapitel 2018 nach einer Krise wieder. Und ich merkte: Solange ich einen Sinn hatte, hatte ich Boden unter den Füßen.
2021 löste ich meine Wohnung auf und wurde Digitale Nomadin. Ich lebte auf drei Kontinenten, arbeitete als Freelancerin im Bereich Webdesignerin — und lief dabei die ganze Zeit vor mir selbst weg. Was ich nicht wusste: Man nimmt sich immer mit, egal wo man schläft.
Im September 2023 war ich in Marrakesch, als das Erdbeben kam. Ich saß mittendrin, ich überlebte und sagte allen, es gehe mir gut. Und funktionierte weiter. Bis Batumi. Bis zu dem Schwur in der Notaufnahme.
Was seitdem passiert ist: Ich höre auf vor mir selbst wegzulaufen. Ich schaue hin — auf das, was wirklich da ist. Ein tief sitzendes Kindheitstrauma, das ich jahrzehntelang nicht hatte sehen wollen. Eine emotionale Abhängigkeit, die ich im Frühjahr 2025 erkannte und erneute starke Suizidgedanken, welche ich — zum ersten Mal in meinem Leben — aktiv unterbrach, bevor der Boden verschwand.
Im Oktober 2025 traf ich die Entscheidung, von der ich weiß, dass sie stimmt: Ich werde Peer-Mentorin. Nicht weil ich fertig bin. Sondern weil ich weiß, wie es ist, wenn kein Boden da ist — und weil ich weiß, dass man dennoch weitergehen kann.
Was Peer-Mentoring ist — und was es nicht ist
Peer-Mentoring bedeutet: Begleitung durch jemanden, der selbst durch das gegangen ist, was du gerade erlebst. Nicht als Expertin mit Studium. Als Mensch mit Geschichte.
Ich bin keine Therapeutin. Ich ersetze keine Psychologin, keinen Psychiater, keine Klinik. Wenn du professionelle Behandlung brauchst — dann such sie bitte. Das sage ich ohne Zögern, weil ich weiß, wie wichtig das ist.
Was ich bin, und was Therapie oft nicht leisten kann: Ein Raum ohne Warteliste. Ohne Diagnosesprache. Ohne das Gefühl, nach 50 Minuten unterbrochen zu werden, während du gerade mittendrin bist.
Ich bin die Frau, die nicht nickt und sagt: Ich verstehe — weil sie es aus dem Lehrbuch gelernt hat. Sondern weil sie sich erinnert. An die Nächte, in denen kein Schlafen kam. An das Aufstehen, das mehr Kraft kostete als alles andere. An das Funktionieren, das sich von innen hohl anfühlt.
Peer-Mentoring heißt: Du musst mir nicht erklären, wie sich das anfühlt. Ich weiß es bereits. Das bedeutet aber auch klare Grenzen — und die kommuniziere ich transparent: Ich begleite. Ich zeige, was mir geholfen hat. Ich halte einen Raum, in dem du keine Maske brauchst. Ich bin kein Kriseninterventionsdienst und kein Ersatz für psychiatrische Notfallversorgung.
Warum ich genau jetzt anfange
Ich hätte früher anfangen können. Ehrlich gesagt: Ich war nicht bereit — auch wenn der Gedanke nicht neu ist.
Denn durch meine Selbstständigkeit ab 2015 war ich fast zehn Jahre lang nahezu symptomfrei. Solange ich einen Sinn hatte, hatte ich Boden unter den Füßen — das hatte ich bereits gelernt. Und 2020, mitten in einer Ausbildung zum Lifecoach, fragte ich mich zum ersten Mal ernsthaft: Könnte ich meine eigenen Erfahrungen mit Depression irgendwann weitergeben? Der Gedanke war da. Aber die Zeit war es nicht.
Es braucht mehr als eine eigene Krisengeschichte, um andere begleiten zu können. Es braucht die Bereitschaft, hinzuschauen — wirklich hinzuschauen. Auf das, was passiert ist. Auf die Muster, die sich wiederholt haben. Auf den Moment, in dem man aufhört zu laufen.
Was mich 2024 schließlich in eine neue Richtung gelenkt hat, war kein Programm und kein Plan. Es war ein Mensch. Mein letzter Auftraggeber streckte mir mitten in meiner schwersten Krise eine Hand entgegen — ohne Erwartungen, ohne Bedingungen, ohne Urteil. Dieser Moment hat mir gezeigt, was wirklich heilt. Nicht die Methode. Der Mensch, der einfach da ist.
Dieser Moment war für mich Oktober 2024. Und was seitdem passiert ist — die Therapiegespräche, die Konfrontation mit dem Kindheitstrauma, das bewusste Unterbrechen eines alten Musters im Frühjahr 2025 — hat mich nicht perfekt gemacht. Es hat mich ehrlicher gemacht.
Ich starte jetzt, weil ich bereit bin. Nicht weil ich alle Antworten habe — sondern weil ich die wichtigste Frage aus eigener Erfahrung kenne: Wie geht man weiter, wenn kein Halt da ist? Und ich weiß: Es geht. Einen kleinen Schritt, nach dem nächsten.
Was dich hier erwartet
Keine aufgeräumten Erfolgsgeschichten. Keine Hochglanzversprechen. Keine fünf Tipps, die dein Leben sofort verändern.
Was du hier bekommst: ehrliche Einblicke in meinen Heilungsweg und einen ehrlichen Erfahrungsbericht mit Depression — laufend, nicht abgeschlossen. Konkrete kleine Schritte, die wirklich helfen, wenn man kämpft. Und einen Raum, in dem Erschöpfung kein Versagen ist.
Mein erster Schwerpunkt ist Schlaf — weil ich selbst erlebt habe, wie meine Depression meinen Schlaf sabotiert hat, und wie umgekehrt der Schlafmangel meine Stimmung am nächsten Morgen in den Keller gezogen hat. Dieser Kreislauf ist real. Und er lässt sich unterbrechen.
Dein nächster kleiner Schritt
Ich habe selbst erlebt, wie meine Depression meinen Schlaf Nacht für Nacht sabotiert hat — und wie der Schlafmangel meine Stimmung am nächsten Morgen mit in den Keller zog. Dieser Kreislauf hat sich verändert. Nicht durch einen großen Schritt, sondern durch das Verstehen, welche meiner Verhaltensweisen meinen Schlaf aktiv schlechter gemacht haben.
Erst mit diesem Verständnis konnte ich beginnen, mit kleinen Schritten etwas zu verändern — und dieser erste bessere Schlaf war der erste echte Beweis: Ich kann etwas verändern. Auch ich.
Genau das habe ich die Dinge, die mir am Abend geholfen haben, in meinem "Starterkit für Psychische Gesundheit"-Bundle für 0€ zusammengefasst:
Du brauchst keine Vorbereitung. Keinen perfekten Moment. Nur heute Abend — und einen einzigen ersten Schritt.
Wer einmal spürt: Ich habe das gemacht, ich alleine — der hat den ersten echten Beweis, dass Veränderung möglich ist. Auch für sich.







0 Kommentare