In diesem Artikel möchte ich mit dir teilen, warum es so schwer ist, Hilfe anzunehmen – und was mir geholfen hat, diesen inneren Mechanismus zu durchbrechen. Nicht, weil ich die Lösung hätte. Sondern weil ich glaube, dass wir uns manchmal durch geteilte Erfahrungen an das erinnern können, was unter all den Schichten noch lebt:
Der Wunsch, gehalten zu werden. Ohne Bewertung. Ohne Scham.
Warum es so schwer ist, Hilfe anzunehmen – das ist keine Schwäche. Es ist oft ein Schutz. Und vielleicht darf es heute einen Moment geben, in dem du diesen Schutz mitfühlend betrachtest – und ihn ein kleines Stück lockerst.
Ich habe früh gelernt, dass Hilfe nicht immer sicher ist. Nicht, weil sie mir niemand angeboten hätte – sondern weil sie die Dinge oft nur noch schlimmer machte. Ich war das Mädchen, das während der gesamten Schulzeit jahrelang gemobbt wurde.
Still. Anpassungsbereit. Und innerlich immer mehr auf der Flucht.
Und trotzdem gab es diese wenigen Momente, in denen ich mir ein Herz gefasst habe. Zwei- oder dreimal vielleicht.
Ich habe meine Mutter um Unterstützung gebeten. Ich habe Lehrer*innen angeschaut, in der Hoffnung, dass sie erkennen, wie sehr ich am Zerbrechen bin – auch wenn ich keine Worte dafür hatte. Sie haben reagiert. Irgendwie.
Doch kaum waren sie aus dem Raum, war ich nicht nur wieder das Ziel – ich war jetzt auch noch die Petze.
Eine Rolle, die mich vollends isoliert hat.
Von da an habe ich geschwiegen. Nicht, weil ich plötzlich stark war. Sondern weil ich verstanden hatte, dass das Bitten um Hilfe mich verletzlicher macht – nicht sicherer. Jede ausgestreckte Hand wurde zu einem Risiko. Jede Hoffnung zur Einladung für neuen Schmerz.
Also habe ich gelernt, alles mit mir selbst auszumachen. Meine Gefühle zu sortieren, ohne dass es jemand merkt.
Nicht aufzufallen. Nicht zu stören. Nicht zu belasten.
Hilfe annehmen? Das wurde mit der Zeit nicht nur schwer. Es wurde unmöglich. Ein Konzept, das ich aus mir verbannt habe, wie man eine offene Wunde versteckt – damit niemand sieht, wie weh es tut. Vielleicht kennst du dieses Gefühl. Wenn da jemand ist, der dir wirklich helfen will – und du innerlich trotzdem zurückweichst.
Nicht aus Stolz. Sondern aus Angst.
Warum es so schwer ist, Hilfe anzunehmen – 3 Gründe, die oft im Verborgenen liegen
Warum es so schwer ist, Hilfe anzunehmen, hat oft viel weniger mit Stolz zu tun, als wir glauben – und viel mehr mit Verletzungen, die wir nicht benennen konnten. Es sind innere Prägungen, alte Erfahrungen, tiefe Muster. Keine Entscheidung, die wir bewusst treffen – sondern ein Reflex, der uns schützt. Ein Schutz, der irgendwann zur Mauer wird.
Ich möchte drei Gründe mit dir teilen, die für mich lange der Grund waren, warum ich mich selbst immer wieder verschlossen habe – selbst dann, wenn mein Inneres nach Unterstützung geschrien hat:
1. Vertrauensverlust durch alte Wunden
Wenn du erlebt hast, dass Hilfe keine Besserung bringt – sondern neue Schmerzen, wird jede nächste Bitte zu einem Risiko.
In meinem Fall: Hilfe zu rufen bedeutete, noch mehr zum Ziel zu werden. Noch einsamer. Noch angreifbarer.
Dieses frühe Misstrauen hat sich tief eingeprägt. Und es braucht Zeit, Geduld und echte Sicherheit, um dem Körper beizubringen: Diesmal ist es vielleicht anders.
2. Der Glaubenssatz: „Ich muss es alleine schaffen“
Er hat sich still in mir verankert. Nicht als Parole – sondern als Überlebensstrategie. Wenn niemand wirklich da ist, der dich schützt, bleibt nur eins: selbst stark sein. Auch wenn es dich innerlich zerreißt.
Warum es so schwer ist, Hilfe anzunehmen, liegt manchmal einfach daran, dass wir zu lange niemanden hatten, der geblieben ist. Und wenn du alles allein getragen hast – wie sollst du dann plötzlich loslassen?
3. Scham & die Angst, falsch zu sein
Hilfe brauchen bedeutet oft, sich sichtbar zu machen. Zu sagen: „Ich komme hier gerade nicht weiter.“
Und genau das fühlt sich für viele von uns an wie ein Geständnis – als würden wir ein Versagen offenlegen.
Vor allem dann, wenn wir tief in uns glauben, dass wir „nicht normal“, „zu viel“ oder „nicht stark genug“ sind.
Warum es so schwer ist, Hilfe anzunehmen, hat für mich auch viel mit der Angst zu tun, in meinem Schmerz abgelehnt zu werden. Nicht gesehen zu werden – oder gesehen zu werden und dann stehen gelassen zu werden.
Diese drei Gründe sind kein Makel. Sie sind Überbleibsel von Momenten, in denen wir überleben mussten – nicht vertrauen, nicht fühlen, nicht loslassen durften. Und genau deshalb braucht es Mitgefühl, wenn wir beginnen, diese Schutzschichten zu hinterfragen. Schritt für Schritt. In unserem Tempo.
Wie ich gelernt habe, einen neuen Umgang zu finden – 3 persönliche Impulse
Warum es so schwer ist, um Hilfe zu bitten, hat mich lange begleitet – wie ein Schatten, der sich auch dann nicht aufgelöst hat, wenn mein Verstand längst wusste, dass ich Unterstützung brauche. Doch manchmal ist es nicht der Verstand, der entscheiden darf. Sondern der Moment. Der Körper. Etwas Tieferes in uns, das aufhört zu kämpfen – und stattdessen den Schritt wagt.
Diese drei Impulse waren für mich der Anfang eines neuen Umgangs:
1. Die kleine Tour durch die Angst – und was sie mir gezeigt hat
Im Sommer 2023 stand ich in Marrakesch an einer schmalen, rutschigen Stelle oberhalb eines Wasserfalls. Kein Geländer. Keine Sicherheit. Nur ich – und die Angst, dass ein falscher Schritt alles beendet.
Ich hätte auch nicht umkehren können, da hinter mir bereits die nächsten Touristen warteten, dass ich weiter. Daher blieb mir gezwungenermaßen nur eines übrig:
Ich bat den Tour Guide um Hilfe.
Für andere war es vielleicht nur ein Griff zur Hand.
Für mich war es ein erster Riss in der Mauer, die ich so lange um mich gebaut hatte.
Ein leiser Beweis dafür, dass es nicht schwach ist, um Hilfe zu bitten – sondern mutig.
2. Der Moment, der nicht geplant war
August 2024.
Ich war in einer meiner dunkleren Phasen. Funktionierte kaum. Sprach noch weniger.
Und plötzlich war da eine Hand. Kein großes Gespräch. Kein Drama. Einfach nur jemand, der blieb.
Ich weiß bis heute nicht, was genau mich dazu gebracht hat, sie zu ergreifen.
Vielleicht war ich einfach zu müde, um noch weiter gegen mich selbst zu kämpfen.
Aber diese Geste hat etwas in mir verschoben.
Sie hat mir gezeigt, dass ich mir selbst am nächsten bin, wenn ich nicht mehr vor mir fliehe.
Und dass um Hilfe zu bitten manchmal nicht laut ist – sondern still. Und tief.
3. Eine neue Definition von Stärke
Früher dachte ich, Stärke bedeutet, durchzuhalten.
Heute weiß ich: Stärke bedeutet, ehrlich zu sein.
Und Ehrlichkeit beginnt da, wo ich sage: Ich kann das gerade nicht alleine.
Warum es so schwer ist, um Hilfe zu bitten, hat für mich auch mit einem alten Bild von Selbstständigkeit zu tun – mit der Angst, „bedürftig“ zu sein.
Heute sehe ich es anders.
Wenn ich um Hilfe bitte, übernehme ich Verantwortung. Für mich. Für mein Wohl. Für meine Geschichte.
Es waren keine magischen Werkzeuge. Keine Techniken, keine Pläne.
Nur echte Momente. Und das reicht manchmal, um sich selbst daran zu erinnern:
Es darf leicht sein. Auch das um Hilfe zu bitten.
Vielleicht ist heute ein guter Moment, um ehrlich hinzuschauen
Du musst nicht sofort laut werden. Nicht heute, nicht morgen.
Aber vielleicht magst du dich still fragen, wo du dich selbst noch zurückhältst.
Manchmal versteckt sich der Wunsch nach Nähe hinter alten Schutzstrategien.
Manchmal klingt der Satz „Ich schaff das allein“ nach Selbstständigkeit – ist aber eigentlich ein leiser Ruf nach Verbindung.
Wenn du magst, nimm dir einen Moment für diese Fragen:
- Wann hast du das letzte Mal um Hilfe gebeten – wirklich?
- Und was wäre heute anders, wenn du es dir wieder erlaubst?
- Was in dir glaubt noch, dass du alleine durch musst – und darf dieser Anteil vielleicht heute zum ersten Mal gehört werden?
Du brauchst keine schnellen Antworten. Manchmal reicht es, die Frage stehen zu lassen. Und zu spüren, was sich in dir bewegt.
Du musst nicht alles alleine tragen
Wenn du dich in diesen Zeilen wiederfindest – in der Zurückhaltung, der alten Angst, im Wunsch nach echter Verbindung – dann möchte ich dir eines sagen:
Du bist nicht falsch.
Und du bist nicht allein.
Warum es so schwer ist, um Hilfe zu bitten, hat viele Gründe.
Aber keiner davon macht dich schwach.
Im Gegenteil: In deiner Ehrlichkeit liegt eine Kraft, die nichts beweisen muss.
Vielleicht darf heute ein erster Schritt genügen.
Ein leiser.
Ein sanfter.
Einer, der nicht gleich alles verändert – aber dich wieder ein kleines Stück zu dir bringt.
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Wenn du gerade in einer psychischen Krise bist und dir Hilfe wünschst, dann habe ich dir auf dieser Seite verschiedene Anlaufstellen zusammengefasst, bei denen du Unterstützung bekommst.






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